Für kleine Kinder ist die Sache ganz einfach: ist es irgendeine Form von Fahrzeug, rot und hat ein Blaulicht auf dem Dach dann ist es ein Feuerwehrauto. Punkt. Aber funktioniert diese Definition auch im Alltag? Wie weit kann man die Elemente in der Gestaltung reduzieren und dabei trotzdem ein sofort erkennbares Feuerwehr-Fahrzeug erhalten – eines mit einer klaren lokalen Identität zumal?
Ziemlich weit, wie das Design der Feuerwehr Düsseldorf beweist. Die Fahrzeuge sind leuchtrot foliert, die Elemente beschränken sich auf ein Minimum: auf der Front steht lediglich ein Schriftzug; um die Zahl der optischen Trennungen auf dem Heck zu reduzieren, erhalten die Großfahrzeuge eine Warnmarkierung im 180-Millimeter- statt im gängigen 100-Millimeter-Raster; und seitlich bilden eine Türadresse, ein angeschnittener Bergischer Löwe, eine umlaufende Konturmarkierung sowie ein dezenter Kontaktblock aus Notrufnummer und Internetadresse die gesamte Gestaltung.
Letzterer ersetzt dort und am Heck den gewohnten Feuerwehr-Schriftzug. Die Notrufnummer transportiert die Botschaft: »Einsatzfahrzeug«, die Internetadresse liefert den Organisationsverweis. Schlichte, reduzierte Kommunikation eben. Passend dazu ist auch die Typografie. Die Feuerwehr Düsseldorf greift auf ihren Fahrzeugen ausschließlich auf Schriften der DIN-
Familie zurück: Einfach, funktional, ohne irgendwelche Eigenschaften, die
sich in den Vordergrund drängen.
Selbstverständlich ist diese Schlichtheit in einer Stadt wie Düsseldorf auch ein Statement. Edel und hochwertig soll das Design wirken – auf eine unaufdringliche Weise. In der Sprache der Modestadt: mehr Dior als Gucci, mehr Apple als Samsung.
Der Bergische Löwe als lokales Identifikationsmerkmal steht dabei nicht bloß im Mittelpunkt des Designs – er ist das Design. Er ist die einzige Form auf den Fahrzeugen, die keinen Schriftzugscharakter hat. Seine angeschnittene Verwendung erhöht seine Wichtigkeit zusätzlich, da das Gehirn beim Betrachten die fehlenden Teile automatisch ergänzt und damit ein kleines bisschen mehr Aufmerksamkeit investiert wird.
Ein angebissener Apfel sozusagen – um im Bild zu bleiben – und damit ein weiteres gut erkennbares Teil der hinter den Fahrzeugen stehenden Designphilosophie.
Der mit dieser Philosophie einher gehende Verzicht auf zusätzliche Sicherheitsaspekte, wie beispielsweise Front- oder Bewegungsraster oder Erkennungshilfen in Form von dominanten Farb- oder Flächenkontrasten, wurde bewusst in Kauf genommen. Bei Tag kompensiert die leuchtrote Grundfarbe einen Teil dieser Einschränkungen, bei Nacht hilft, dass sämtliche Elemente reflektierend ausgeführt werden. So wird mit wenigen Mitteln eine solide Basis an visueller Sicherheit geschaffen.
Insgesamt zeigen die Düsseldorfer Fahrzeuge, dass es tatsächlich möglich ist, ein modern wirkendes, lokal identifizierbares und sicheres Design mit einem stark reduzierten Ansatz zu erreichen. Nur ein paar Elemente und wenige gezielte Griffe in die wahrnehmungspsychologische Werkzeugkiste genügen.